5 Tipps für ein kühles Zuhause: Nachtlüftung richtig nutzen Mit gezieltem Lüften und Sonnenschutz bereits im Frühling Sommerhitze vorbeugen 29% der Österreicher:innen ist im Sommer in den eigenen vier Wänden zu heiß, in Großstädten sind es sogar 41%. Jede:r zweite spürt negative Auswirkungen auf das Wohlbefinden und fast zwei Drittel (65%) sagen, dass zu große Hitze ihren Schlaf beeinflusst.1 Wolkersdorf, im Mai 2026 – Mit steigenden Temperaturen und immer intensiveren Hitzewellen wird der Wunsch nach einem kühlen Zuhause im Sommer zur immer größeren Herausforderung. Ein aktuelles Forschungsprojekt zum Thema Ventilative Cooling hat in einer bislang einzigartigen Studie unter Realbedingungen untersucht, wie sich verschiedene Lüftungsszenarien in der Nacht auf das Raumklima auswirken. Dafür wurden zwei baugleiche Testhäuser mit Ziegelwänden und außenliegender Beschattung an den Fenstern auf dem Gelände der BAUAkademie Salzburg gebaut. Diese wurden über mehrere Jahre mit mehr als 200 Sensoren überwacht, um das tatsächliche Kühlpotenzial verschiedener Nachtlüftungsszenarien zu erfassen. Die Ergebnisse zeigen: Werden die Fenster nachts gezielt geöffnet, können Räume um mehrere Grad abkühlen und damit Komfort, Gesundheit sowie Energieeffizienz steigen. Markus Winkler, Experte für Bauklimatik und Ventilative Cooling an der Universität für Weiterbildung Krems und Heinz Hackl, Raumklima-Experte bei VELUX, haben fünf konkrete Tipps für ein kühleres Raumklima im Sommer – ganz ohne Klimaanlage: 1. Immer mindestens zwei Fenster gleichzeitig öffnen Richtiges Lüften macht einen Unterschied: das gleichzeitige Öffnen von Fenstern auf zwei unterschiedlichen Seiten des Raumes oder Bereiches erzeugt einen Durchzug, der die Raumtemperatur deutlich effektiver senkt. Messungen in den Testhäusern zeigen, dass Querlüftung mit geöffneten Fenstern zu einer Temperaturreduktion von bis zu 5,5° Celsius während einer Nacht führen kann – im Vergleich zu nur 1,6° Celsius bei einseitigem Lüften. Noch effektiver ist die sogenannte Kaminlüftung: Das gleichzeitige Öffnen von vertikalen Fenstern und Dachfenster lässt warme Luft nach oben entweichen, während kühlere Luft nach unten fällt. So wird die Innenraumluft innerhalb nur einer Stunde bis zu zwölf Mal komplett durch Außenluft ersetzt und auch in höhere Raum- bzw. Gebäudeteile gelangt kühle Luft. Den allerbesten Effekt erzielt man mit der sogenannten Vogelhauslüftung: hier werden mehrere vertikale Fenster und das Dachfenster gleichzeitig geöffnet. 2. Tagsüber Fenster verschatten um starken Hitzeeintrag zu vermeiden Eine effiziente außenliegende Beschattung ist das Um und Auf, um die Sommertauglichkeit eines Gebäudes sicherzustellen. Rollläden, Raffstores oder Screens sollten an heißen Tagen bereits morgens geschlossen werden. Hier ist eine Automatisierung – es kann eine einfache Zeitsteuerung sein – fast unerlässlich. Die Beschattung verhindert, dass sich die Wärmespeichermassen des Hauses tagsüber zu stark aufheizen. Trotzdem wird untertags eine gewisse Erwärmung stattfinden. Diese kann dann in der Nacht gezielt durch Ventilative Cooling abgeführt werden. Dies reduziert den nächtlichen Kühlbedarf erheblich und spart Energie. Am meisten Effekt wird mit außenliegenden Rollläden erzielt, da sie die Sonnenstrahlen abwehren, noch bevor sie auf die Fensterscheiben treffen können. Es ist also die Doppelstrategie aus Beschattung und Ventilative Cooling, die selbst bei langen Hitzeperioden ein relativ konstantes, angenehmes Raumklima sicherstellt. 3. Auf smarte Lösungen setzen Um Nachtlüftung optimal zu nutzen, ist es wichtig, konsequent zu lüften. Moderne, intelligente Fenster-Steuerungssysteme wie VELUX Active öffnen die Fenster automatisch in den kühlen Nachtstunden und schließen sie rechtzeitig, bevor es am Morgen wieder warm wird. Solche Systeme können per App bedient oder sogar automatisch an das Raumklima angepasst werden. Sie berücksichtigen Außentemperatur, Luftfeuchtigkeit und die gespeicherte Wärme in den Wänden – und berechnen so die ideale Lüftungsstrategie. Das erspart nicht nur manuelle Arbeit, sondern optimiert die Kühlwirkung deutlich. „Ein kluges Lüftungskonzept ist kein Luxus mehr, sondern eine Notwendigkeit. Durch frühe und kluge Planung lassen sich mit einfachen Mitteln wie gezielter Nachtlüftung und einer effizienten Außenbeschattung ein komfortables Raumklima im Sommer schaffen – ohne Klimaanlage und ohne den Einsatz von Kühlenergie“, erklärt Raumklima Experte Heinz Hackl. 4. Die natürliche Kühlkraft der Wände nutzen Massive Wände aus Ziegel, Stein oder Beton sind natürliche Wärmespeicher. Das kann in langen Hitzeperioden ein Problem werden – bietet aber bei richtiger und gezielter Nachtlüftung eine große Chance. „Wer die Speichermassen seiner Wände durch gezielte Nachtlüftung aktiv entlädt, nutzt damit eine passive Kühlstrategie, die völlig energiefrei funktioniert", erklärt Markus Winkler, Experte für Bauklimatik und Ventilative Cooling an der Universität für Weiterbildung Krems. Die Forschungsergebnisse zeigen: Erst wenn Wärmespeicher und intelligente Lüftung optimal zusammenspielen, entsteht das volle Kühlpotenzial. 5. Schon im Frühling an die Sommerhitze denken Wer während der Sommerhitze ein angenehmes Raumklima möchte, sollte bereits im Frühling ans richtige Lüften denken. Schon ab Mai, wenn die Nächte noch angenehm kühl sind, sollten Bewohner:innen damit beginnen, ihre Fenster in den Nachtstunden gezielt zu öffnen. Dadurch werden die Wärmespeicher in Wänden und Decken bereits früh entladen und heizen das Rauminnere nicht zusätzlich auf. Das aktuelle Forschungsprojekt zeigt: Wer frühzeitig und konsequent mit Nachtlüftung beginnt, kann die Speichermassen des Hauses optimal nutzen und hält die Temperaturen während der heißesten Sommermonate deutlich niedriger. 1 VELUX Future of Home Report