Presseinformation vom 21.07.2026
Ausbau in die Höhe
Velux / a-lp architektur / Jörg Seiler
Durch die Lage an einer Geländekante musste der Ausbau wesentlich in die Höhe geschehen.
Laut aktuellem Future of Home Report von VELUX ist 29% der Österreicher:innen im Sommer in den eigenen vier Wänden zu heiß, in Großstädten sind es sogar 41%. Das Geheimnis, die Hitze im Eigenheim vorzubeugen, liegt im richtigen Lüften – und das bereits ab dem Frühling. Paradebeispiel Winzerhaus in Krems zeigt, wie es richtig geht.
Wolkersdorf, am 21. Juli 2026 – Die Lösung für angenehme Temperaturen im Hochsommer funktioniert ohne technische Kühlung durch das Zusammenspiel von drei Faktoren: einem durchdachten Ventilative Cooling Konzept, intelligenter Beschattung und thermischer Speichermasse. Das beweist auch ein aktuelles Forschungsprojekt, das in einer bislang einzigartigen Studie unter Realbedingungen untersucht, wie sich verschiedene Lüftungsszenarien in der Nacht auf das Raumklima auswirken. Dafür wurden zwei baugleiche Testhäuser mit Ziegelwänden und außenliegender Beschattung an den Fenstern auf dem Gelände der BAUAkademie Salzburg gebaut. Diese wurden über mehrere Jahre mit mehr als 200 Sensoren überwacht, um das tatsächliche Kühlpotenzial verschiedener Nachtlüftungsszenarien zu erfassen. „Das Projekt liefert erstmals umfassende, empirische Daten darüber, wie natürliche Nachtlüftung und gezielte Abkühlung der Speichermassen am wirksamsten eingesetzt werden können“, erklärt Heinz Hackl, Public Affairs Manager bei VELUX Österreich. „Schon einfache Maßnahmen wie die gezielte Querlüftung bringen einen enormen Effekt. Das Potenzial dieser Low-Tech-Methode war bisher vielfach unterschätzt.“
Ventilative Cooling: Die Nacht für Abkühlung nutzen
Das Geheimnis liegt in der sogenannten Nachtlüftung: In den kühlen Nachtstunden öffnen sich einige der mehr als 20 Dachfenster automatisch. Der kühle Luftstrom durchströmt das Gebäude und lädt die thermischen Speichermassen auf. Die massiven Ziegelmauern und der Lehmputz speichern diese Kälte und geben sie tagsüber langsam wieder ab. „Das war uns von Anfang an bei der Planung wichtig", erklärt Architektin Christine Leuthner. „Wir wollten ein Dachgeschoss ausbauen, in dem man im Sommer auch wirklich komfortabel lebt. Ein durchdachtes Lüftungskonzept war deshalb kein Add-on, sondern ein zentrales Planungsprinzip. Und es funktioniert: Selbst im Sommer bleibt das Dachgeschoss auch untertags ein angenehmer Wohnraum.“ Einige Fenster sind elektrisch ausgestattet und automatisiert. Sie öffnen sich in den kühlen Nachtstunden und schließen sich, bevor die Außentemperatur wieder steigt, automatisch. Entscheidend ist, bereits im Frühling damit zu beginnen, wenn die Nächte noch angenehm kühl sind. So können die Speichermassen die Kälte speichern, bevor sich die sommerliche Wärme in den Wänden aufbaut.
Thermische Speichermasse statt Klimaanlage
Das Architekt:innenpaar Christine und Franz Leuthner hat das ursprüngliche Kremser Winzerhaus umgebaut und eine zweigeschossige Dachaufstockung aus Massiv-Holzbau erweitert. Die robusten Ziegelmauern des Altbaus wurden bewusst als aktive Kühlkomponente in das Konzept integriert. Zusätzlich wurde Lehmputz verwendet. Das Material reguliert nicht nur die Luftfeuchtigkeit und schafft ein gesundes Raumklima, sondern hat auch optimale Wärmespeicherungseigenschaften. „Speichermasse ist nicht einfach eine architektonische Notwendigkeit", so Franz Leuthner. „Sie ist eine strategische Ressource für die Gebäudekühlung. Wer diese richtig nutzt, schafft passive Kühlkapazität und das ist deutlich günstiger und nachhaltiger als jede Klimaanlage."
Tageslicht ohne Kompromisse
Bei vielen Häusern mit gutem Wärmeschutz entsteht ein Dilemma: Um die Hitze zu blocken, müssen die Jalousien runter und die Innenräume werden dunkel. Auch hierfür haben die Architekt:innen eine Lösung: Eine effiziente, außenliegende Beschattung blockiert die Sonnenstrahlen, lässt aber Tageslicht in den Raum. Mehr als 20 Velux Dachfenster sorgen für Lichtbänder, die vom Boden bis zur Decke reichen. Sogar in die Gebäudetiefe gelangt noch ausreichend Tageslicht. „Diese Kombination aus Beschattung und Tageslicht war zentral", betont Leuthner. „Wir wollten, dass trotz Hitzeschutz ein schöner Ausblick möglich ist und wir von natürlichem Licht profitieren."
Bautafel:
Projekt: Nachverdichtung in Krems
Baumaßnahme: Zweigeschossige Dachaufstockung eines Altbaus mit Massiv-Holzbau
Ort: Krems, Niederösterreich
Architekt: alp architektur, Krems. Franz Leuthner, https://a-lp.jimdo.com/
Ausführung: 2015