Presseinformation vom 20.08.2026

Asiatische Automobilzulieferer greifen nach weltweiter Marktführerschaft

Henning Rennert Strategy&

Studienautor und Partner bei Strategy& Deutschland

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  • Obwohl die Umsätze der Top-10-Automobilhersteller 2025 um 10% steigen, fallen die Umsätze der globalen Top-Zulieferer um 3%
  • Die Kräfteverhältnisse verschieben sich dabei weiter nach Asien, dortige Zulieferer bedienen inzwischen 49% des globalen Markts
  • Während chinesische Produzenten ihren Weltmarktanteil seit 2015 auf 14% fast verdreifacht haben, rutschen deutsche Anbieter von 26% auf 23% und europäische Zulieferer von 14% auf 13% ab
  • Gezielte Kapazitätsanpassungen und Restrukturierung sowie konsequente Entwicklung von Schlüsseltechnologien wie das autonome Fahren sind für deutsche Zulieferer zentral, um die Krise zu überwinden
  • Entscheidend für die Trendwende sind dabei auch gezieltere Kooperationen zwischen deutschen Zulieferern und OEMs

Pressetext 6287 ZeichenPlaintext

  • Obwohl die Umsätze der Top-10-Automobilhersteller 2025 um 10% steigen, fallen die Umsätze der globalen Top-Zulieferer um 3%
  • Die Kräfteverhältnisse verschieben sich dabei weiter nach Asien, dortige Zulieferer bedienen inzwischen 49% des globalen Markts
  • Während chinesische Produzenten ihren Weltmarktanteil seit 2015 auf 14% fast verdreifacht haben, rutschen deutsche Anbieter von 26% auf 23% und europäische Zulieferer von 14% auf 13% ab
  • Gezielte Kapazitätsanpassungen und Restrukturierung sowie konsequente Entwicklung von Schlüsseltechnologien wie das autonome Fahren sind für deutsche Zulieferer zentral, um die Krise zu überwinden
  • Entscheidend für die Trendwende sind dabei auch gezieltere Kooperationen zwischen deutschen Zulieferern und OEMs

Wien, 20. August 2026 – Asiatische Zulieferer kontrollierten im vergangenen Jahr nahezu die Hälfte des globalen Automobilzuliefermarkts (49%), während europäische Anbieter weiter an Boden verlieren. Das zeigt die aktuelle „Automobilzuliefer-Studie“ von Strategy&, der globalen Strategieberatung von PwC. Gleichzeitig entwickelt sich das Geschäft von OEMs und den großen Zulieferern zunehmend auseinander. Während der Umsatz der weltweiten Automobilindustrie um 10% stieg, sackte das Ergebnis der Top-100-Zulieferer um 3% ab. Vor allem der rasante Aufstieg chinesischer Produzenten verschiebt die regionalen Kräfteverhältnisse weiter nach Asien. Sie konnten ihren Marktanteil seit 2015 von 5% auf 14% fast verdreifachen. Zugleich kletterte der Gewinn pro Mitarbeiter seit 2019 im Schnitt um jährlich 8% und lag im vergangenen Jahr bei 30.320 Euro. Vor allem die deutschen Zulieferer stecken dagegen tief in der Krise. Noch 2015 belieferten sie 26% des Markts, im vergangenen Jahr kamen sie nur noch auf 23%. In Europa (ohne Deutschland) reduzierte sich der Marktanteil von 14% auf 13%.

Noch keine Trendwende in Sicht
Innerhalb der gesamten Branche stehen laut Studie besonders die großen Systemintegratoren unter Druck. Ihre EBIT-Marge lag 2025 bei 4,1%, während die übrigen betrachteten Top-Zulieferer auf 8,3% kamen. Für viele deutsche und österreichische Automobilzulieferer zeichnet sich zugleich keine Trendwende ab. Vor allem bei der Verschlankung ihrer über viele Jahre gewachsenen Strukturen und Kosten kommen sie zu langsam voran. In Deutschland legten die Herstellungskosten der verkauften Produkte (COGS) seit 2017 um 3,7 Prozentpunkte zu, die Vertriebs- und Verwaltungsgemeinkosten (SG&A) zogen um 16,6 Prozentpunkte an. Deutschland ist damit die einzige in der Studie betrachtete Region, in der sich beide Kennzahlen gegenüber 2017 verschlechterten. Ganz anders zeigt sich die Lage bei der chinesischen Konkurrenz: Sie konnte Skaleneffekte nutzen und ihre SG&A-Quote im gleichen Zeitraum um 40,7 Prozentpunkte und ihre COGS-Quote um 2,8 Prozentpunkte reduzieren. Der Wettbewerbsdruck auf deutsche, aber auch österreichische Zulieferer nimmt also rasant zu. Um international wieder wettbewerbsfähiger zu werden, müssen sie ihre gewachsenen Verwaltungsstrukturen wie auch ihre Kostenbasis deutlich anpassen.

„Im Schatten der jahrelangen Erfolgsgeschichte hiesiger Zulieferer hat sich in Asien und vor allem in China eine neue Klasse des Wettbewerbs entwickelt: junge und hungrige Unternehmen, die Technologie auf Spitzenniveau liefern und Maßstäbe setzen in Sachen Geschwindigkeit und Flexibilität. Gleichzeitig setzt hinter ihnen bereits die zweite Riege zum Sprung in die globalen Top 100 an“, sagt Henning Rennert, Partner bei Strategy& Deutschland. „Die hiesigen Zulieferer geraten dagegen von mehreren Seiten unter Druck. Die sinkende Nachfrage, insbesondere der europäischen OEMs, zwingt sie zu Kosten- und Kapazitätsanpassungen, während die Kredite für das Wachstum in den Boomjahren auf die Bilanz drücken. Diese hohe Zinslast frisst heute große Teile des operativen Gewinns, der finanzielle Handlungsspielraum schrumpft und dringend notwendige Investitionen in neue Technologien bleiben auf der Strecke. Eine Abwärtsspirale, aus der es nur einen Ausweg gibt: schlankere Strukturen, ohne die eigene Innovationsfähigkeit zu verspielen.“

Den hiesigen Zulieferern bleibt wenig Zeit
Wie dieser Spagat gelingen kann, zeigt der Blick nach China. Dortige Zulieferer drängen nach Batterietechnologie und Antriebsstrang zunehmend auch in weitere Bereiche vor, etwa Software, E/E-Architektur und Fahrerassistenzsysteme. Während insbesondere die deutsche Konkurrenz mit langen Entwicklungszyklen, Hierarchiestreitigkeiten und komplexen Prozessen kämpft, verknüpfen die chinesischen Herausforderer Innovationskraft und Effizienz. So erzielen sie mit einer mittleren F&E-Quote (5,5%) die weltweit zweithöchste EBIT-Durchschnittsmarge (8,4%). Deutsche Zulieferer investieren zwar mehr als jede andere Region in Forschung und Entwicklung (7,2%), landen aber bei der EBIT-Durchschnittsmarge zusammen mit der Americas-Region auf dem letzten Platz (5,2%). Europa (ohne Deutschland) liegt bei der F&E-Quote auf dem zweiten Rang (5,8%) und erzielt damit insgesamt die höchste EBIT-Durchschnittsmarge (10,2%)

„Das Zeitfenster für eine erfolgreiche Aufholjagd der deutschen Hersteller verengt sich, ist aber noch nicht geschlossen. Schließlich besitzen viele hiesige Zulieferer einzigartiges Domänenwissen, sind Weltklasse in Mechanik und Mechatronik und haben definitiv noch Trümpfe auf der Hand. Diese müssen sie allerdings klüger ausspielen als bisher und gezielter kooperieren, auch über Wettbewerbsgrenzen hinweg“, sagt Henning Rennert. „Wenn Zulieferer und OEMs ihre Stärken, ihr Kapital und ihr Wissen bündeln, kann die notwendige Innovationskraft entstehen, um in den Zukunftstechnologien der Automobilindustrie wieder an die Spitze zu gelangen. Ein Beispiel dafür ist das autonome Fahren, das die Branche noch einmal von Grund auf verändern wird. Wer hier den Takt angeben will, muss bewährte Ingenieurskunst auf kluge Weise mit neuer Technologie kombinieren. Die Voraussetzungen für eine Trendwende sind da – für die hiesige Zulieferbranche gilt es nun, sie erfolgreich zusammenzuführen.“

Die vollständigen Ergebnisse der „Automobilzuliefer-Studie 2026 erhalten Sie auf Anfrage oder unter: https://www.strategyand.pwc.com/de/de/branchen/automobil/automobilzulieferer.html

Über Strategy&
Strategy& ist die globale Strategieberatung von PwC. Wir entwickeln individuelle Geschäftsstrategien für weltweit führende Unternehmen, basierend auf differenzierenden Wettbewerbsfähigkeiten. Wir sind die einzige Strategieberatung als Teil eines globalen Professional Services Netzwerks. Unsere Expertise kombinieren wir mit Technologie und erarbeiten daraus eine passende Strategie, die effizient umsetzbar ist. „Strategy, made real“ heißt für uns, den digitalen Wandel voranzutreiben, die Zukunft mitzugestalten und Visionen Wirklichkeit werden zu lassen. 4.500 Strategieberater:innen und mehr als 365.000 PwC-Mitarbeiter:innen in 136 Ländern tragen hierzu mit hochwertigen, branchenspezifischen Dienstleistungen in den Bereichen Wirtschaftsprüfung, Steuer- und Unternehmensberatung bei. Weitere Informationen unter www.strategyand.pwc.com/de.
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Eva Klemenjak, MA
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